Auf dem Weg in ein größeres Bewusstsein über sich selbst und das Leben, dürfen wir uns Schritt für Schritt mit verletzten Anteilen aussöhnen. Auf diesem Wege verabschieden wir Schutzmechanismen, die wir häufig während der Kindheit entwickelt haben. Dann können wir das, was wir nie wieder fühlen wollten, liebevoll umarmen und endlich auf allen Ebenen erwachsen werden.

 

„Das will ich nie wieder fühlen“

Diesen Satz haben viele Menschen sicherlich einige Male in ihrem Leben gedacht.

An manche Situationen erinnern wir uns möglicherweise noch. Andere, die sich in unserer frühen Kindheit abgespielt haben, sind schon in Vergessenheit geraten. Doch auch Vergessenes hat weiterhin eine Wirkung auf uns.

 

Schutzmechanismen der Kindheit und der Wunsch nach Liebe

Der Wunsch nach Liebe und Zugehörigkeit ist der Kern fast aller Bestrebungen, nicht nur in der Kindheit. In der Kindheit werden jedoch aus diesem Wunsch heraus häufig Weichen gelegt, die uns für unser gesamtes Leben prägen.

Die meisten von uns laufen mit Schutzmechanismen aus ihrer Kindheit rum, die nicht ihrer aktuellen Reife entsprechen. Mir persönlich ist es wichtig, mir bewusst zu machen, welche Mechanismen ich damals – aus gutem Grund – entwickelt habe. Über diese Bewusstheit kann ich Veränderungen in Gang bringen und Muster auflösen, mit denen ich mir seither selbst das Leben schwer mache.

In der Kindheit sind wir bereit, viel von uns selbst herzugeben, nur um Liebe und Anerkennung von unseren wichtigsten Bezugspersonen zu bekommen. Wir sind sogar bereit, uns dafür gegen uns selbst und das Leben zu richten. Kinder lernen schon früh, gewisse Gefühle bzw. Anteile von sich zu unterdrücken, um sich ihrem Umfeld anzupassen und Anerkennung zu bekommen.

 

Sunset Face

 

Die meisten Kinder machen die Erfahrung, dass sie nur Liebe und Anerkennung bekommen, wenn sie bestimmte Eigenschaften zeigen. Nur wenige Kinder haben das Glück, genau so wie sie sind, geliebt und anerkannt zu werden. Deshalb entscheiden sie sich im Laufe ihrer Entwicklung dazu, in Rollen zu schlüpfen, die nichts mit ihrem eigentlichen Wesen zu tun haben.

 

Muster identifizieren

Auf meinem Lebensweg kann ich rückblickend klar erkennen, dass ich wichtige Anteile seit meiner Kindheit unterdrückt habe. Ich wollte brav sein und nahm mich deshalb mit meinen Bedürfnissen und Anliegen zurück. Schon früh hatte ich die Erfahrung gemacht, dass ich dann Lob und Anerkennung bekam, wenn ich mich unauffällig und äußerlich ruhig verhielt. Ich wollte bloß nicht auffallen, aus Angst vor Ablehnung, um mich selbst vor Kritik und Tadel meines Umfeldes zu schützen.

Darüber hinaus habe ich Anteile unterdrückt, weil ich stark sein wollte, denn auch dann bekam ich positive Rückmeldungen von meinem Umfeld. Der Wunsch stark sein zu wollen und das Unterdrücken der eigenen Verletzlichkeit und Sensibilität, ist ebenfalls ein geläufiger Schutzmechanismus.

Im Laufe der Jahre haben sich aus diesen und anderen Verhaltensweisen, die ich mir angeeignet habe, immer festere Muster entwickelt. Damit stand ich mir dann bis ins Erwachsenenalter hinein immer wieder selbst im Weg.

Welche Muster hast du im Laufe deines Lebens entwickelt? Welche Eigenschaften wurde von deinen Eltern besonders gerne gesehen? Mit Hilfe welcher Eigenschaften hast du von deinen Eltern etwas mehr Liebe und Anerkennung bekommen? Mit deiner Stärke, deiner Schnelligkeit, deinem Ehrgeiz, deinem Fleiß oder deiner Perfektion in bestimmten Bereichen? Damit dass du besonders brav warst und es allen Recht gemacht hast?

 

Schutzmechanismen aufgeben

Auf dem Weg in ein größeres Bewusstsein über sich selbst, können wir uns dazu zu entscheiden, alle Ebenen unseres Lebens mit Reife zu durchdringen.

Wenn ein erwachsener Mensch emotional noch in vielen Themen seiner Kindheit oder Vergangenheit verhaftet ist, wird er seine Schutzmechnismen nicht aufgeben wollen. Ähnliches ist der Fall bei Menschen, die nicht die volle Verantwortung für sich und ihr Leben übernehmen wollen. Ihre Schutzmechanismen sind ihnen dann insofern noch dienlich, als dass sie ihnen die “Sicherheit” des Altbekannten geben. Darüber hinaus werden sie durch ihre Schutzmechanismen vor allzu großer Eigenverantwortung bewahrt, mit der sie noch nicht umzugehen gelernt haben.

Wenn wir uns zutrauen, mit belastenden Erfahrungen des Lebens umzugehen, wird die Einstellung „Das will ich nie wieder fühlen!“ hinfällig. Dann erkennen wir, dass wir an Herausforderungen wachsen und reifen können und sind bereit uns unserer Schutzmechanismen zu entledigen.

In der Einstellung „Das will ich nie wieder fühlen“, drückt sich die Angst vor Schmerz und Leid aus. Was wie gesagt verständlich ist, wenn leidvolle Erlebnisse der Vergangenheit und Gegenwart das überscheiten, was bisher bewältigt werden kann. Dann macht es Sinn, sich professionelle Unterstützung von einem erfahrenen Therapeuten, Heilpraktiker oder Coach zu holen.

 

Schutzmechanismen

 

Der Preis unserer Schutzmechanismen

Jedes Mal, wenn wir uns bewusst oder unbewusst dazu entscheiden, etwas nie wieder zu fühlen, verleugnen wir uns selbst. Dabei ist es individuell unterschiedlich, was wir mit dieser inneren Entscheidung konkret in uns verursachen.

Jedes mal wenn wir einen Schutzmechanismus aufbauen, entscheiden wir uns dazu, einen Teil von uns fortan auszugrenzen. Wir entscheiden uns gegen uns selbst und gegen die Vielfalt des Lebens, die sich in uns ausdrückt.

„Das will ich nie wieder fühlen“ ist also ein „Nein zu mir“ und ein „Nein zum Leben“.

Es handelt sich hierbei im weitesten Sinne um einen selbstzerstörerischen Schutz. Er dient uns kurzfristig, das vielleicht sogar ganz entscheidend. Doch auf lange Zeit gesehen, schadet uns das Abtrennen eines Gefühls oder Anteils von uns. Es ist eine Form des Selbsthasses. Hass will zerstören. In diesem Fall wollen wir einen Teil von uns selbst zerstören.

Darüber hinaus entwickeln wir ein immer größer werdendes Misstrauen dem Leben gegnüber. „Wieso muss ich das nur erleben.“ „Das ist nicht richtig, dass ich sowas erleben muss.“

Wir stellen uns gegen unser eigenes Leben und verschließen uns damit der Möglichkeit des Wachsens und Reifens anhand unserer Erfahrungen.

“Der größte Schmerz und das intensivste Leiden werden durch den andauernden inneren Krieg verursacht, den du gegen dich selbst führst.“  Frank Lobsiger

 

Wolke Vier

 

Lieber taub als intensiv?

Es gibt ein deutschsprachiges Lied von Philipp Dittberner & Marv, das gut verdeutlicht, was viele Menschen in besonders schmerzhaften Momenten bewusst oder unbewusst für sich entscheiden:

“Lass uns die Wolke Vier
Bitte nie mehr verlassen
Weil wir auf Wolke Sieben
Viel zu viel verpassen
Ich war da schon ein Mal
Bin zu tief gefallen
Lieber Wolke Vier mit dir als unten wieder ganz allein“

 

 

Hier ist von einer abgeschwächten Verliebtheit (Wolke Vier statt Wolke Sieben) die Rede. Die schmerzhafte Erfahrung, von Wolke Sieben ganz nach unten gefallen zu sein, wurde als zu tief empfunden. Fortan begnügt sich der Interpret also mit Wolke Vier, um sich selbst zu schützen.

Durch einen derartigen Schutz wird nicht nur die Empfindung einer Verliebtheit flacher, unsere gesamte Lebensqualität nimmt ab, wenn wir uns einmal entschieden haben, bestimmte Gefühle aus unserem Leben zu verbannen.

Zugunsten eines Selbstschutzes, büßen wir Lebensqualität ein.

Clinton Callahan beschreibt eine Taubheitsschwelle, die wir im Laufe unseres Lebens aufbauen. In unserem Kulturkreis ist sie häufig sehr groß. Die meisten von uns erlauben sich nicht, das zu empfinden, was sich in ihrem Inneren zeigt. Wie bereits erwähnt, haben wir schon in der Kindheit gelernt, Gefühle und somit Anteile von uns zu unterdrücken

 

Meine Erfahrung mit der Taubheitsschwelle

Mich spricht dieses Thema und auch dieses Lied so sehr an, weil ich meinen eigenen Weg darin wiederfinde. Ich habe meine Taubheitsschwelle so lange verstärkt, bis meine Lebensqualität ziemlich gering war. Zu dem Zeitpunkt spürte ich über eine regelmäßige Unzufriedenheit hinaus und Momente der „leere“ ehrlich gesagt nur sehr wenig. Hättest du mich damals darauf angesprochen, hätte ich es mir wahrscheinlich nicht eingestehen wollen. Ich versuchte trotz Unzufriedenheit, mir selbst gegenüber die Fassade aufrecht zu erhalten, dass es mir „gut“ ging. “Gut” im Sinne von „gerade nicht unzufrieden“.

Im Laufe der Jahre war meine Taubheitsschwelle so weit angestiegen, dass sie nicht nur Emotionen wie Angst oder Trauer überdeckte, sondern auch das Gefühl tiefer Freude.

Zu meinem Herzraum hatte ich kaum noch einen Zugang. Das fiel mir allerdings selbst nicht auf, denn ich hatte schon vergessen, wie es sich anfühlte, offenen Herzens durchs Leben zu gehen.

 

Verbannte Anteile

Jedes mal, wenn wir einen Anteile von uns verbannen, geben wir uns selbst ein Stück weit auf. Die Folge davon sind Trübsinnigkeit und mangelnde Lebensfreude.

Derzeit befinden sich in Deutschland viele Menschen auf diesem Weg. Wer nicht hinter die Fassade eines Menschen schauen kann, wird äußerlich nicht erkennen, wie viele Menschen diesen Zustand vor sich selbst und der Welt verbergen. Die Meisten sind Profis darin, all das was innerlich tatsächlich in Ihnen vorgeht, hinter Floskeln und höflichem Lächeln zu verbergen.

Wer sich selbst ein Stück weit aufgegeben hat und mit dieser Resignation durchs Leben läuft, verschließt sich vor den Geschenken des Lebens.

 

Gefängnis der Versprechungen

 

Gefängnis der Versprechungen

„Das will ich nie wieder fühlen“ wirkt wie eine Versprechung uns selbst gegenüber.

Versprechungen sind machtvoll und jede einzelne, die wir uns selbst oder einer anderen Person oder Institiution bzw. Ideologie geben, bewirkt nachhaltig etwas in uns.

Versprechungen sind die Quelle selbstauferlegter Zwänge. Sie erzeugen Abhängigkeiten und erlauben Macht und Kontrolle, die nichts mit einer gesunden Eigenverantwortung zu tun haben.

Oft wirkt das, was wir mit Versprechungen zulassen ganz im Verborgenen und ist später kaum noch nachvollziehbar. Ganz praktisch erfahrbar wird was wir uns selbst damit antun, wenn wir in diesem Bereich bewusster werden und beginnen, uns wieder aus dem selbstgezimmerten Gefängnis der Versprechungen zu befreien.

Ich habe selbst erfahren wie es ist, mich Schritt für Schritt aus meinem eigenen Gefängnis zu befreien. Es hat sich für mich daraus wieder eine viel größere innere Weite und Präsenz entwickelt.

 

Präsenz und unmittelbares Erleben

Jedes Versprechen bewirkt, dass wir in der Vergangenheit verhaftet bleiben und hindert uns daran, präsent im Hier und Jetzt aus uns selbst heraus zu leben.

Wer sich mit „Wolke Vier“ zufrieden gibt und sich nicht zutraut, das was das Leben zu bieten hat voll auszukosten, der kommt mit einer geringen Präsenz „gut“ durchs Leben.

Doch es gibt auch Menschen, die bereit sind, den Weg zurück in die eigene Präsenz und das unmittelbaren Erleben zu gehen.

Unmittelbares Erleben gepaart mit Achtsamkeit sind wertvolle Instrumente der inneren Heilung für verletzte Anteile.

Wer bereit ist jetzt zu fühlen, was er sich früher nicht zugetraut hat, der kann einen entscheidenen Schritt machen. Er kann durch das, was ihn jetzt noch an seiner Vergangeheit festhält hindurchgehen, um es endlich hinter sich zu lassen. Damit geben wir uns die Möglichkeit, Ungelebtes der Vergangenheit zu durchdringen, um es endlich hinter uns zu lassen.

Diese Öffnung kann durch energetische Begleitung ganz sanft ohne Retraumatisierungen geschehen. Sich voll ins Leid der Vergangenheit zu stürzen, erzeugt leidvolle Erfahrungen im Hier und Jetzt, die uns nachhaltig beeinträchtigen können. Doch Retraumatisierungen auszuschließen heißt wiederum nicht, dass wir taub bleiben und im Prozess möglicherweise schmerzvolle Momente erleben.

Wer Frieden mit sich selbst und seiner Vergangenheit schließt, kann nach dem Aufgeben alter Schutzmechanismen in die unmittelbare Erfahrung hinein gehen und auch schmerzvollen Momente des Lebens annehmen und verarbeiten.

 

Achtsamkeit

 

Auflösen, was uns im Wege steht

Es ist nie zu spät, neue Entscheidungen zu treffen, Frieden mit alten Geschichten zu schließen und die Verbindung zu abgespaltenen Anteilen wieder herzustellen.

Die Reintegration verwundeter bzw. abgespaltener Anteile braucht den Mut, das anzunehmen, was wir bisher lieber beiseite geschoben haben. Wenn wir diese Anteile aufrichtig annehmen, können wir beginnen sie zu umarmen und liebevoll zu versorgen.

Du kannst beginnen deinem Anteil liebevoll zuzuhören, wie du einem guten Freunden zuhörst. Sei für deinen Anteil und somit für dich selbst da. Erlaube dir, dein bester Freund zu sein.

Die Geschenke, die durch die Reintegrationen von Anteilen auf uns warten, sind das Ansteigen unserer Lebensenergie und inneren Zufriedenheit.

Besonders wichtig finde ich die Erkenntnis, dass wir uns jederzeit guten Gewissens dafür entscheiden können, Versprechungen uns selbst oder andern Menschen und Systemen gegenüber aufzulösen.

Denn wir schaden uns selbst damit, wenn wir etwas nur aufgrund einer Versprechung aufrecht erhalten, auch dann wenn es aktuell für uns nicht mehr stimmig ist. So lange wir uns selbst schaden, können wir nicht in unserer eigenen Mitte ankommen und das Leben wieder in vollen Zügen genießen.

 

Herzraum weiten

 

Herzraum weiten und zurück ins Vertrauen

Die Reintegration von Anteilen ist eine Versöhnung mit uns selbst. Wir lassen dadurch Schritt für Schritt unsere Schutzmauern fallen.

Für mich war es ein Schlüssel-Erlebnis, dass ich wieder eine größere Verbindung zu meinem Herzen zu spüren begann. Nun kann ich mich wieder leichten Herzens an den kleinen und großen Geschenken des Lebens erfreuen.

Das liebevolle Atmen in den Herzraum hinein, ist für mich momentan eine wunderschöne Übung, für die ich mir fast täglich ein paar Minuten Zeit nehme. Durch die verstärkte Verbindung zu meinem Herzraum, fällt es mir viel leichter auch das zu umarmen, was mir vorher nicht ertragbar schien.

Durch die Arbeit mit Innerwise, steht mir darüber hinaus eine große Fülle an unterstützenden Werkzeugen zur Verfügung.

Wer im speziellen die Heilung seines Herzraums angehen möchte, dem bietet beispielsweise ein IMAGO eine tolle Möglichkeit sichtbar zu machen, was in seinem Herzraum aktuell tatsächlich vor sich geht. Oft zeigen sich hier genau die wirkenden Kräfte, die uns davon abhalten, uns selbst und unser Leben zu umarmen.

Mit Hilfe energetischer Unterstützung ist es möglich, auch schwierige Themen anzuschauen, zu durchdringen, wichtige Erkenntnisse daraus mitzunehmen und Verändernung mit größerer Leichtigkeit in Gang zu bringen.

Wir entscheinden in unserem Herzen, ob wir bereit sind, unsere Vergangenheit dankbar anzunehmen und fortan selbstbetimmte Schöpfer unseres Lebens zu sein.

In dem Sinne wünsche ich dir eine starke Herzverbindung und weiterhin viel Mut und Vertrauen, beim Loslassen deiner Schutzmauern.

Alles Liebe von

Dora