Unser Bewusstsein stellt symbolisch betrachtet die kleine sichtbare Spitze eines schwimmenden Eisbergs dar. Sein Großteil befindet sich unter dem Wasser. Dieser verborgene Anteil ist in seiner Größe und Tiefe der kleinen sichtbaren Spitze bei weitem überlegen. Er steht für das Unbewusste in unserem Leben, das sowohl unsere persönliche als auch kollektive Wirklichkeit durchdringt.

In meinem Artikel Der Armlängentest – Gespräche mit dem Unbewussten habe ich die Bedeutung des Unbewussten für unser Leben bereits erwähnt. Nun möchte ich genauer darauf eingehen, was es mit dem Unbewussten auf sich hat.

 

Was ist das Unbewusste? Wie groß ist es tatsächlich?

Ich möchte dich zunächst zu einem kleinen psychologischen Exkurs einladen. Damit möchte ich eine solide Grundlage für das Verständnis des Unbewussten schaffen. Im Anschluss werde ich allerdings den Bereich der Psychologie wieder verlassen, um dir eine viel weitere Auffassung vorzustellen.

 

Aus der Psychologie

Das Unbewusste ist psychologisch gesehen ein vieldeutiger Begriff. Grundsätzlich wird darutnter eine innere Instanz ohne rationale Kontrollierberkeit verstanden. Es sind darin Inhalte gespeichert und finden Vorgänge statt, die aus vielfältigen Gründen dem Bewusstsein nicht zugänglich sind.

Nur etwa 5-10% all unserer täglichen Erfahrungen und Eindrücke spielen sich in unserem Bewusstsein ab. Der Rest bleibt verborgen im Unbewussten.

 

Selektive Wahrnehmung

Unsere Wahrnehmung funktioniert immer selektiv. Das heißt es werden einige wenige Informationen aus einer riesigen verfügbaren Menge ausgewählt. Dies geschieht größtenteils unbewusst. Nur ein kleiner Teil der ausgewählten Informationen erreicht letztendlich unser Bewusstsein.

In jeder Sekunde deines Lebens bist du einer Fülle von Informationen und Wahrnehmungen ausgesetzt. Das Auswählen und Eingrenzen von Informationen ist nötig, um diese riesige Informationsmenge überhaupt bewältigen zu können.

Unser Gehirn ist dabei stets auf der Suche nach Mustern und bevorzugt es, an bereits bekannte Informationen anzuknüpfen. Die selektive Wahrnehmung steuert – meist unbewusst – die Suche nach bekannten Mustern. Informationen, die ein bereits vorhandenes Muster stützen werden stärker wahrgenommen als konträre Positionen. Demnach beeinflussen Erfahrungen, Erwartungen, Einstellungen, Neigungen etc. die Auswahl der wahrgenommenen Eindrücke.

 

Das Unbewusste

 

Unbewusstes nach Freud

Sigmund Freud war ein großer Vertreter von Erkenntnissen über ein verborgenes Unterbewusstseins. Er beschränkte sich zunächst darauf, das Unbewusste als den Zustand verdrängter oder vergessener Inhalte zu bezeichnen. Aus dieser Sicht war es für ihn nicht mehr oder weniger als ein Sammelort dieser unbewussten Inhalte.

Doch seine späteren Schriften liefern Hinweise dafür, dass er sein Verständnis davon, was das Unbewusste ist, erweitert hat. Freud sprach ihm zuletzt mehr als nur die Funktion einer persönlichen Sammelstelle zu und zog darüber hinaus eine kollektive Komponente mit in Betracht.

 

Kollektives Unbewusstes nach Jung

C.G. Jung beschrieb das Phänomen eines kollektiven Unbewussten, als „zweites psychisches System von kollektivem, nicht persönlichem Charakter“. In Untersuchungen, die ihn zu dieser Sichtweise veranlassten, beschäftigte er sich mit Träumen und Motiven aus Religion, Mythen und Märchen im interkulturellen Vergleich.

Damit fügte er dem Modell eines persönlichen Unbewussten ein weiterreichendes Modell einer sozusagen grenzüberschreitenden Unbewussten Instanz hinzu.

 

Weiterführende Überlegungen

Es gibt noch weitere psychologische Modelle, die interaktive unbewusste Mechanismen, Felder etc. beschreiben. Doch ich möchte an dieser Stelle nicht weiter in psychologischen Theorien herumgraben. Das worauf ich hinaus möchte hat mit mir bekannten Strömungen der Psychologie nichts mehr zu tun.

Ich nehme an, dass es sich mit dem Unbewussten so wie mit uns Menschen verhält: Es existiert auf unterschiedlichen Ebenen. Vereinfacht dargestellt existiert ein Mensch auf der strukturellen, biochemischen, rhythmischen, mentalen, emotionalen, seelischen und energetischen Ebene. Das Modell dieser sieben Ebenen stammt von Uwe Albrecht, dem Begründer des innerwise Systems. Darüber hinaus hat er diesem Modell eine achte Ebene hinzugefügt für alles, was wir nicht sehen, verstehen oder erfassen können. Die achte Ebene hat er als unbekannte Ebene bezeichnet.

 

Mensch

 

Ich gehe davon aus, dass das Unbewusste alle Bereiche unseres menschlichen Daseins durchdringt. Je mehr wir uns für all diese Ebenen öffnen, desto eher können wir die wahre größe des Unbewussten erahnen. Alleine durch das Anerkennen einer uns “unbekannten Ebene” wird klar, dass wir das Unbewusste niemals ganz erfassen oder verstehen können. Es wird immer noch mehr zu entdecken geben.

 

Mein persönliches Resumee

Wenn wir das Unbewusste als ein Bewusstsein höherer Ordnung betrachten, dann wird plötzlich unser sogenanntes Bewusstsein zu etwas, das tatsächlich nicht besonders viel weiß, versteht und erkennt. Vielleicht wäre für das Unbewusste bzw. Unterbewusste das Wort Überbewusstsein besser gewählt. Ist es nicht im Grunde das, was in Mystik, Religion und Spiritualität beschrieben wird?

Was ich bisher durch die Arbeit mit dem Armlängentest erfahren habe, der uns sozusagen einen Zugang zum “Überbewussten” ermöglicht, kann nicht mehr durch persönlichkeitsbezogene psychologische Modelle erklärt werden. Es wurde mir dadurch ganz praktisch verdeutlicht, dass diese Welt so viel großartiger ist, als die meisten von uns bislang vermuten.

Für mich ist das sogenannte Unbewusste eine große wissende Quelle, mit der wir alle verbunden sind. Sie schenkt uns die Intuition, die mehr weiß, als der Verstand. Abgesehen von ganz praktischen Erfahrungen, die mich zu dieser Erkenntnis gebracht haben, fühle ich es wie ein uraltes, tiefes Wissen in mir.