Auf dem Weg zu sich selbst und in eine erwachsene Eigenverantwortung ist ein Meilenstein das Durchschauen und Erneuern unserer Beziehungs- und Rollenmuster.

In diesem Artikel möchte ich dir einen kurzen Überblick über die Opfer-Täter-Retter-Thematik geben. Es kann mit Herausforderungen verbunden sein, die eigenen Spielchen im Drama zu erkennen und aufzulösen. Kreativität hat keine Grenzen, das ist wie ich finde auch bei dieser Thematik zu erkennen. Denn die Spielarten, die in den Dramen des Lebens auftreten, zeigen sich in einer unglaublichen Vielfalt und Variation, wie es sich bei nur oberflächlicher Betrachtung kaum vermuten lässt.

Nun möchte ich zunächst einmal das Grundprinzip der Opfer-, Täter- und Retterhaltung beschreiben.

Die Bezeichnungen Opfer und Täter klingen möglicherweise für Einsteiger in die Thematik provokativ und hart. Die Begriffe beschreiben Beziehungsmuster und eine Haltung anderen Menschen, Systemen oder generell dem Leben gegenüber.

Drama ist jede Handlung, die darauf ausgerichtet ist, Verantwortung zu vermeiden. Es ist so spannend sich in diese Dramen zu begeben, dass viele Menschen sich immer wieder darin verlieren und glauben, dass diese Spielchen ein unveränderbarer Teil des Lebens seien.

 

Opferhaltung

Die Rolle des Opfers ist eine häufig eingenommene innere Haltung, die sich auf unterschiedlichen Ebenen in vielfältiger Art und Weise vor der eigenen Verantwortung zu drücken weiß.

In der Opferhaltung wird die Verantwortung für Umstände des eigenen Lebens abgegeben. Ein Opfer fühlt sich hilflos den Umständen ausgeliefert. Es übersieht, dass es in Wirklichkeit immer eine Entscheidungsfreiheit gibt. Jeder vermeintliche Zwang wird mit der eigenen bewussten oder unbewussten Einwilligung miterschaffen und gestützt. Ein Opfer unterwirft sich selbst – bewusst oder unbewusst – den vermeintlich erzwungenen Gegebenheiten.

Opfer lassen zu, dass andere für sie Entscheidungen treffen und ihr Leben kontrollieren. Übergriffiges Verhalten von „Tätern“ wird dadurch ermöglicht, dass das Opfer seinen Raum nicht voll einnimmt oder sich nicht klar abgrenzen kann oder will.

Der Weg in eine erwachsene Eigenverantwortung und hinaus aus dem Drama führt über das Annehmen der vollen Verantwortung für das eigene Leben und alle Umstände im Hier und Jetzt. Denn wo ein Mensch seine Verantwortung erkennt, ermächtigt er sich selbst dazu, aktiv zu werden und Veränderungen in Gang zu bringen.

 

 

Opfer = Täter

 

Opfer = Täter

Ich habe meine Ausführungen mit der Beschreibung der Opferrolle begonnen. Doch entscheidend ist die Erkenntnis, dass Opfer und Täter niemals voneinander zu trennende Aspekte des gleichen Spiels sind.

Wer die Opferrolle im Drama einnimmt, nimmt zum gleichen Teil die Täterrolle ein. Jemand, der sich anderen Menschen oder Umständen unterwirft, ist Täter an sich selbst, denn er beraubt sich selbst der Möglichkeit, heilsame Veränderungen in Gang zu bringen.

Hinzu kommt, dass jemand, der die Opferhaltung einnimmt, sozusagen einen Täter als seinen Gegenspieler kreiert. Damit macht sich das Opfer selbst zum Täter.

In der Theorie mag das erst einmal verwirrend und wiedersprüchlich klingen. Deshalb ist es ein wichtiger Schritt, Situationen und Umstände des eigenen Lebens zu durchschauen. Mehr dazu weiter unten im Text.

 

Täterhaltung

In der Täterhaltung wird ein Mensch oder System als Sündenbock benutzt. Aggressionen werden auf andere abgewälzt, Schuldzuweisungen erschaffen die Position eines Opfers, das nicht akzeptiert wird.

Es werden Vorwürfe kreiert, die davon ablenken, dass eigene Trigger und Aggressionen Herausforderungen des eigenen Lebens darstellen, die erkannt und bewältigt werden wollen. Eine bekannte Spielart in der Täterhaltung ist unter anderem das Lästern, also das urteilende Austauschen über Dritte, die nicht anwesend sind.

Als Täter wird die innere Haltung „Ich bin besser als du.“ eingenommen, während ein Opfer sich in der Postion „Ich bin nicht ok, ich Armer.“ ausruht.

Einerseits wird in der Täterhaltung die Verantwortung für die eigenen Gefühle, Umstände und Trigger auf ein Opfer abgewälzt. Andererseits wird übergriffig in den Verantwortungsbereich des Opfers eingegriffen. Dort wird der eigene Frust abgeladen oder aber etwas „entnommen“, um sich selbst zu stärken und aufzuwerten.

Durch das Abwälzen eigener Themen auf andere wird der Täter selbst zum Opfer, denn er kann so nicht erkennen, wo die Ursachen seiner Trigger und Unpässlichkeiten tatsächlich liegen.

Er verbaut sich selbst den Weg zur Erkenntnis und Bewältigung eigener Thematiken und Blockaden. Er kappt den Zugang zu seiner eigenen reinen Energiequelle, wenn er sich durch das Abzapfen von Energie bei anderen Menschen nährt. Energie ist vorhanden, doch da sie dem „Täter“ nich selbst gehört, wirkt sie nicht liebevoll belebend sondern destruktiv.

 

Retter

 

Retterhaltung

Die Retterhaltung kann als Variante der Täterhaltung gesehen werden. Der Retter spricht dem vermeintlichen Opfer seine Verantwortung ab und schiebt sie einem Täter zu. Er meint das vermeintliche Opfer benötige seine Hilfe oder seinen Schutz.

Ein Retter agiert ebenfalls übergriffig, will helfen um jeden Preis, ungefragt oder ohne seinem „Schützling“ Eigenverantwortung zuzutrauen. Der Retter erhebt sich über Opfer und Täter, wenngleich er auch meint im Sinne des Opfers zu handeln. Er verteidigt das Opfer und wird dadurch selbst zum Täter, der gegen einen vermeintlichen Täter angeht. Das Opfer wird entmündigt, ihm wird die Kompetenz und Fähigkeit streitig gemacht, sein Leben selbst in die Hände nehmen zu können.

Retter übenehmen Verantwortung für das Opfer und laden sich dadurch Themen und Lasten anderer auf. Diese erschwerem es dem Retter ein unbeschwertes Leben zu führen und bei sich selbst anzukommen. Die Erleichterung, die das Opfer durch die Abnahme seiner Themen wiederum erfährt, hindert es daran, aus seinen Erfahrungen zu lernen, daran zu wachsen und Schritte in Richtung Eigenverantwortung zu gehen.

Das alles geschieht im „guten Willen“, so macht sich der Retter zum Opfer seines guten Willens, den er nicht zum eigenen Wohle und zum Wohle aller einzusetzten vermag. Der Retter entzieht dem Opfer Verantwortung und Energie und nutzt sie für sich selbst, um sich selbst besser zu fühlen oder richtet sie gegen den vermeintlichen Täter.

So ist auch der Retter gleichzeitig Opfer und Täter.

Drama ist und bleibt ein Spiel, bei dem es keine Gewinner geben kann. Je mehr Menschen sich beteiligen desto vielseitiger werden die Rollenverteilungen und komplexer die Dynamiken.

Jede Aktivität, die einer der Rollen Aufmerksamkeit schenkt, verstärkt das Spiel. Obwohl ich hier den Fokus zunächst auf das Beschreiben der Spielarten gelenkt habe, braucht es die Konzentration auf andere Aspekte, um aus dem Drama auszusteigen.

 

Drama verstehen und konstruktive Neuausrichtung

Ich erlebe es so, dass es zunächst darum geht, das Prinzip des Dramas zu verstehen, zu durchdringen und im eigenen Leben wiederzufinden.

Darauf folgt ein Umstellungsprozess, während dem unterschiedliche Spiele erkannt und beendet werden. Hier ist innerlich und äußerlich viel in Bewegung. Du richtest dich neu aus und entscheidest bewusst, welche Kräfte und energetische Quellen du in deinem Leben erlaubst.

 

erkennen

 

Diese Umstellung mündet darin, dass du zum energetischen Selbstversorger wirst, nicht mehr auf Energieraub oder Abhägigkeiten mit manipulativen Energiequellen angewiesen bist. Du lebst dann in Verbindung mit deiner reinen Quelle, die dich mit allem versorgt, was du für dich selbst und dein Wirken benötigst. Das ist der Ausstieg aus dem Drama und seinen Spielchen.

Ein entscheidender Aspekt beim Ausstieg aus dem Drama ist es, deinen Fokus darauf zu richten, was verstärkt werden soll. Zum Beispiel auf den Zugang zu deiner reinen Quelle, zu deiner ursprünglichen Seele oder authentischsten Version, zu deinem Herzraum oder deiner individuellen Lebensaufgabe.

Auch als energetische Selbstversorger, können immer wieder Resonanzen mit Opfer-, Täter- oder Retterspielchen aufgedeckt werden. Die eigenen Antennen werden immer feiner und erkennen immer subtilere Spielchen. Dabei muss es sich nicht unbedingt um Spiele handeln, an denen wir selbst beteiligt sind. Resonanzen dürfen dankbar wahrgenommen und verabschiedet werden.

 

Traust du dich, den Weg in deine volle Verantwortung zu beschreiten?

Es gibt sicherlich genauso viele Wege aus dem Drama heraus, wie es Spielarten im Drama gibt. So wie jeder Mensch mit seinem Lebensweg einzigartig ist, so ist es auch sein Ausstieg aus dem Drama.

Am Anfang einer Neuausrichtung steht eine klare Entscheidung: In welche Richtung möchtest du dich bewegen? Drama oder Eigenverantwortung?

Wenn du diese Entscheidung bewusst triffst, darfst du dem Leben immer wieder zeigen, dass du es ernst damit meinst und bereit bist, alle damit verbundenen Schritte zu gehen.

Wer sich für den Weg der Eigenverantwortung entscheidet, ist sich wahrscheinlich nicht in den vollen Ausmaßen bewusst, wozu er sich da im Detail entscheidet.

Das ist auch nicht nötig, denn statt dich auf eine Zukunftsvorstellung zu konzentrieren, lasse dich einfach ganz auf die aktuellenen Herausforderungen und Erfahrungen deines Lebens ein.

So kannst du wie Beppo der Straßenkehrer in dem Roman Momo, einfach einen Besenstrich nach dem anderen machen, ohne dir die große Straße vor Augen zu halten, die möglicherweise noch vor dir liegt. Der Blick auf das, was noch vor dir liegt kann entmutigend sein oder Zweifel an dich und deinen Weg schüren.

 

Straßenkehrer

 

„Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muß nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur an den nächsten. […] Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. […] Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste. […] Das ist wichtig.”

Beppo Straßenkehrer, Michael Ende

 

Der Weg in die Eigenverantwortung ist der Weg in die Hingabe ans Leben

Die ganze Opfer-Täter-Thematik trägt für sich betrachtet eine Schwere in sich. Einige Erkenntnisse über dich selbst und deine Spielarten werden dich möglicherweise betroffen machen und dir nahe gehen.

Doch so ernüchternd manche Erkenntnisse auch sein mögen, jede davon öffnet dir eine weitere Tür in deine volle Kraft hinein. Am Ende geht es darum, voll und ganz bei dir selbst anzukommen, glücklich und gesund im Hier und Jetzt zu leben.

In der Hingabe ans Leben, lernst du Schritt für Schritt alle seine Geschenke anzunehmen. Alle Geschenke, auch jene, die du auf den ersten Blick lieber stehenlassen und übersehen möchtest.

 

Spielerisch in die Eigenverantwortung

Um dir diesen Prozess in deine Dankbarkeit, Integrität, Präsenz und Hingabe hinein zu erleichtern, hat Uwe Albrecht ein Spiel entwickelt. Das Spiel heißt Dare to B’Riched, was aus dem Englischen soviel heißt wie: Die Mutprobe bereichert zu sein.

Damit werden spielerisch Prozesse und Erkenntnisse erleichtert und Blockaden auf deinem Weg erkannt und aufgelöst. Dieses Spiel zu erlernen und zu spielen stellt eine Möglichkeit dar, um sich den Weg aus den Dramen des Lebens zu ebnen.

Für mich öffnen sich durch dieses Spiel und die damit verbundenen Erkenntnisse und Erfahrungen großartige Möglichkeiten. Als ich begonnen habe mich mit der Opfer-Täter-Thematik auseinanderzusetzen wusste ich nicht so recht, wie ich theoretische Erkenntnisse langfristig und nachhaltig in meinem Leben umsetzen kann. Nun zeigt sich mir, dass Dare to B’Riched mich auf meinen Weg auf wundersame Weise unterstützt und ihn ebnet.

 

Dare to B'Riched

 

Falls dich das Spiel interessiert, findest du hier mehr Informationen dazu. Auf der Seite dare-to-briched.com kannst du Informationen zu Kursen und Veranstaltungen finden, die dir das Spiel in seiner Tiefe erfahrbar machen.

Ich selbst biete seit November 2018 DARE Days und Game Nights in der Region Ostholstein an.

Bei Fragen kannst du dich gerne an mich wenden unter Info@DoraBaumann.de.

 

Alles Liebe von Dora